Das Projekt REVIGO untersuchte, wie instabile rote Farblacke in Van Goghs Werken aus der französischen Zeit verblassten. Er mischte diese Lacke mit Blau und Weiß zu Purpur, Lila, Violett und Rosa. Als das Rot schwand, gewann die andere Komponente die Oberhand. Blau, wo Lila war. Fahles Weiß, wo Rosa war. Das ist keine Wand, die einmal ganz rot war. Es ist eine Mischfarbe, deren Zusammensetzung sich verändert hat. Die digitale Rekonstruktion des Schlafzimmers macht das sichtbar: Wände und Türen, die heute auffallend blau wirken, waren als Purpur gedacht; der Boden in kräftigerem Rot. Laut dem Forschungsbericht mussten sich viele Menschen an die leuchtenden Farben der Rekonstruktion gewöhnen.

Ein Foto oder ein Bildschirm fügt dem noch einen eigenen Kontrast hinzu. Dennoch ist der Unterschied zwischen Leinwand und Reproduktion mehr als eine Frage der Aufnahme. Der Bericht über die Gemälde zeigt, welche Komponente sich in der Farbe selbst verschoben hat. Wer das heutige Blau nur als Ruhe liest, übersieht, dass die Ruhe hier zum Teil ein Überbleibsel ist.

Van Goghs Skizze seines Schlafzimmers in einem Brief, Oktober 1888.
Bild, Bildunterschrift & Herkunft ↗

Betrachten Sie eine Wand im Schlafzimmer und fragen Sie sich, welcher Teil der alten Mischung noch übrig ist. Nicht: Wo ist die rote Fläche? Sondern: Welches Blau war einmal die Hälfte von Purpur?