Ein Jahrhundert Geschichte in einem Museumsgebäude
Das Wereldmuseum Amsterdam wurde 1926 als Teil des Koloniaal Instituut eröffnet. Die Lichthal und die Arbeit hinter den Sälen erzählen von der Geschichte des Hauses und der Sorge um seine Sammlung.

Von der Linnaeusstraat aus sieht man ein monumentales Gebäude, das weit mehr ist als eine Folge von Ausstellungsräumen. Das heutige Wereldmuseum Amsterdam eröffnete am 9. Oktober 1926 als Teil des Koloniaal Instituut. Später hieß es Tropenmuseum; seit 2023 trägt der Standort den heutigen Namen. Das hundertjährige Bestehen lädt dazu ein, auch das Gebäude um die Objekte herum genau anzusehen.
Im Inneren öffnet die zentrale Lichthal den Blick auf mehrere Ebenen. Der Bau dauerte mehr als zehn Jahre. Nach Angaben des Museums befasste sich sogar eine eigene Kommission mit der Symbolik des Schmucks: Figuren und Motive an Wänden, Säulen, Türen und Türgriffen verwiesen auf die koloniale Verbindung Niederlands mit Indonesien. Diese Details sind kein neutraler Zierrat. Sie zeigen, wie die Gründer das Institut und die Kolonien darstellen wollten.

Die Sammlung hat eine ältere Geschichte als das Gebäude. Das Museum nennt das Koloniaal Museum in Haarlem und die ethnografische Sammlung von Artis als wichtige Vorläufer. Die Objekte kamen auf unterschiedlichen Wegen in die Sammlung. Das Wereldmuseum räumt selbst ein, dass Teile der kolonialen Sammlung Raubkunst oder andere Formen unfreiwilligen Eigentumsverlusts umfassen. Zu einem Objekt gehört deshalb auch die Frage, wer es schuf, wer es sammelte und wie vollständig seine Herkunft bekannt ist.
Hinter den Sälen findet Arbeit statt, die Besucher meist nicht sehen. In einem eigenen Beitrag begleitet das Museum die Restauratorin Annemarie Hollants bei einem Zeremonialmaskenobjekt aus Papua. Sie beschreibt, wie Objekte vor einer Ausstellung aus den Depots geholt, geprüft, gereinigt und nötigenfalls behandelt werden. Brüchige Streifen aus Sagoblättern am Maskenobjekt werden mit Japanpapier und Faden gestützt. Die Behandlung soll sich später ohne Schäden wieder entfernen lassen. Beitrag und Video gewähren einen Blick in die Werkstatt; sie kündigen keinen öffentlichen Werkstatt- oder Depotbesuch an.
Wer Gebäude und Sammlung gemeinsam erkunden möchte, findet in der Dauerausstellung Our Story ein Modell und Erzählungen zur kolonialen Entstehung des Museums. Die Fotos zeigen die Fassade im Jahr 2015 und die Lichthal im Jahr 2011. Die Adresse lautet Linnaeusstraat 2. Regulär ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, mit angekündigten Ausnahmen an Montagen in Schulferien und an manchen Feiertagen. Aktuelle Termine und Tickets stehen auf der Museumswebsite.